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Stadtgestalter Summit 2026 – Recap eines Tages

Verfasst von
Lucas Peter Ellmer
CEO, Gründer & Inhaber der LPE Immobilien Management GmbH, München

Inhalt

Am 22. Mai 2026 haben wir den ersten Stadtgestalter Summit veranstaltet. 60 Gäste, 13 Speaker, sieben Sessions — und ein Tag, der mich in meiner Überzeugung bestätigt hat, dass diese Branche genau solche Gespräche braucht. Laut. Ehrlich. Ohne Beschönigung.

Was an diesem Tag im Raum war, lässt sich schwer in Worte fassen: eine Mischung aus Dringlichkeit und Aufbruch. Menschen, die täglich in dieser Branche arbeiten — als Eigentümer, Beiräte, Verwalter, Experten — und die endlich offen darüber sprechen wollten, was wirklich läuft. Nicht was auf Hochglanzbroschüren steht. Was wirklich läuft.

In diesem Artikel nehme ich euch mit durch den Tag — jede Session, die zentralen Erkenntnisse und das, was wir als Branche daraus mitnehmen müssen.

Was ist der Stadtgestalter Summit — und warum gibt es ihn?

Wir glauben daran, dass Hausverwaltung der am meisten unterschätzte Beruf der gesamten Wirtschaft ist. Hausverwalter verwalten in Deutschland allein über VDIV-Mitgliedsunternehmen ein Immobilienvermögen von über 1,2 Billionen Euro. Sie sind Manager, Berater, Mediatoren, technische Projektleiter, kaufmännische Strategen und juristische Lotsen — gleichzeitig. Und trotzdem wird der Beruf gesellschaftlich so wahrgenommen: „Irgendwas mit Immobilien. Wird mit Hausmeister verwechselt.“

Das ist nicht nur falsch. Das ist ein Problem. Für die Branche, für die Eigentümer, für alle, die darin arbeiten.

Der Stadtgestalter Summit ist unsere Antwort darauf. Ein Format, bei dem wir nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Bei dem wir die Probleme benennen, die richtigen Experten zusammenbringen — und dann gemeinsam herausarbeiten, wie wir besser werden. Jede Session folgte einem klaren Format: 10 Minuten Impulspräsentation, dann 30 Minuten Podiumsdiskussion — mit Publikum, mit Gegenwind, mit echten Meinungen.

Der Name steht für mehr als eine Veranstaltung. Er ist ein Versprechen: Irgendwann versammeln sich hier die Menschen, die München und die Immobilienbranche wirklich gestalten. Das war der Anspruch am ersten Tag. Und es bleibt der Anspruch.

Session 1 | Der Hausverwalter im Wandel — eine Branche, die sich selbst nie neu erfunden hat

Impulspräsentation: Lucas Peter Ellmer & Carolin Nafziger (COO, LPE Immobilien)
Diskussion: Lucas Peter Ellmer, Carolin Nafziger, Marius May + Publikum

Wir haben den Tag mit einer Frage eröffnet, die ich mir selbst seit Jahren stelle: Wie konnte eine Branche, die so viel Verantwortung trägt, so lange stehen bleiben?

Die Antwort liegt in der Geschichte. Das WEG-Gesetz 1951 war die Geburtsstunde der Hausverwaltung — und gleichzeitig der Beginn einer langen Epoche, die ich die Küchentisch-Ära nenne. Jahrzehntelang konnte quasi jeder Hausverwalter werden. Kein Abschluss. Keine Qualifikation. Keine Struktur. Nebenerwerb am Küchentisch, Papier, kaum Regulierung. Die Branche hat sich selbst nie neu erfunden — weil sie es nie musste.

Jetzt muss sie.

Seit 2020 gab es über 100 Reformen und Gesetzesänderungen, die direkt auf die Hausverwaltung wirken. WEG-Reform. GEG. CO₂-Gesetz. Sanierungsdruck. Dazu kommt: Handwerker und Fachkräfte sind nicht mehr einfach verfügbar — es gibt Wartelisten, kein Angebot, keinen Nachwuchs. Die Branche bricht unter dieser Last zusammen. 70 % der Hausverwaltungen sind überlastet. 14 % nehmen keine neuen Mandate mehr an. 85 % konnten Sanierungen wegen Personalmangel nicht durchführen. Über 2.300 Hausverwaltungen haben seit 2020 aufgegeben, verkauft oder geschlossen.

Die Branche wird aufgekauft. Von Finanzinvestoren, die nicht für Beziehungen kaufen — sondern für Skalierung.

Und jetzt stellt sich für jeden Verwalter dieselbe Frage: Konsolidierung oder Professionalisierung? Bestand verkaufen — oder wachsen durch Positionierung? Ende einer Geschichte — oder Beginn einer neuen?

Die Diskussion danach war von der ersten Minute an lebendig. Das Publikum brachte sich mit voller Überzeugung ein. Was besonders deutlich wurde: Der größte Schmerz der Eigentümer und Beiräte ist nicht fehlende Kompetenz — es ist fehlende Kommunikation. Proaktiv. Verlässlich. Bevor das Problem kommt, nicht danach.

Umfragegrafik zur Frage, ob Hausverwalter als Experten wahrgenommen werden und ob ihre komplexen Aufgaben bekannt sind.

Session 2 | KI in der Hausverwaltung — das Wort, das alles kann. Und nichts muss.

Impulspräsentation: Dennis Bochen (Lead Software Engineer, LPE Immobilien)
Diskussion: Dennis Bochen, Philipp Prestele (Byte Heroes.de), Lucas Peter Ellmer + Publikum

Diskussion zur KI in der Hausverwaltung beim Stadtgestalter Summit 2026 mit Publikum und den Logos von Byte Heroes und LPE Immobilien Management.

KI. Das Wort, das gerade auf jeder Konferenz, in jedem Pitch Deck, bei jedem Anbieter steht. Jedes Tool ist plötzlich „KI-powered“. Gut klingende Versprechen. Wer nicht hinterfragt, wird geblendet.

Dennis Bochen hat 15 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung — bei Startups, Scale-ups und Konzernen wie Daimler, Audi, Porsche und ProSieben. Warum hat er sich entschieden, in die Hausverwaltung zu gehen? Sein Zitat sagt alles: „Die meisten Tech-Produkte optimieren Dinge, die bereits gut funktionieren. Hausverwaltung ist broken. Das ist der interessanteste Ort um zu bauen.“

Seine Präsentation begann mit der ehrlichen Frage: Interessiert ihn der Hype? Nein. Ihn interessiert das Problem — und ob KI das richtige Werkzeug dafür ist. Oder nicht.

Das Problem ist bekannt: 70 % der Hausverwaltungen sind überlastet. Die Kapazitäten werden heute von Routineaufgaben gefressen — Rechnungsbearbeitung, administrative Prozesse, Fristenüberwachung. Was dem Eigentümer wirklich wichtig ist — persönliche Betreuung, strategische Beratung, proaktive Kommunikation — bekommt kaum Platz.

Genau hier setzt KI an. Nicht um Menschen zu ersetzen. Sondern um Raum zu schaffen für das, was Menschen besser können als jede Maschine. Dennis zeigte konkret, was KI bei LPE übernimmt: Rechnungen prüfen und automatisch verbuchen, Kontoauszüge abgleichen, Protokolle zusammenfassen, Standardanfragen beantworten, Fristen erkennen, Schadensfotos analysieren. Routine raus — Fokus rein.

Der Kern ist ein einfacher Satz, der alles auf den Punkt bringt: KI arbeitet für den Verwalter. Der Verwalter arbeitet für den Eigentümer. Diese Kette muss stimmen. Hausverwaltung ist und bleibt ein People Business. KI ersetzt keine Empathie — sie schafft Raum für sie.

Was Philipp Prestele in der Diskussion ergänzte, war wichtig: Die echte Gefahr ist nicht KI, die zu viel kann. Die Gefahr ist KI als Ausrede — für schlechten Service, für Nicht-Erreichbarkeit, für Fehler, die eigentlich strukturell sind. Das Publikum bestätigte das sofort. Mehrere berichteten von Verwaltungen, die auf jede Anfrage eine automatisierte Antwort schicken — aber für ein echtes Gespräch nicht erreichbar sind.

Die Liveumfrage am Ende brachte überraschende Ergebnisse:

  • Die klare Mehrheit im Raum ist unzufrieden mit der Erreichbarkeit ihrer Hausverwaltung — wenig überraschend.
  • Die Mehrheit vertraut grundsätzlich dem Einsatz von KI in der Hausverwaltung — das hat überrascht.
  • Hohe Akzeptanz für KI bei Standardaufgaben — aber der direkte, persönliche Kontakt muss immer möglich bleiben. Dieser Punkt war für alle im Raum nicht verhandelbar.
  • Konsens: Hausverwaltungen ohne KI-Einsatz wird es in fünf Jahren nicht mehr geben.

Umfrage zur KI in der Hausverwaltung: 56,3 Prozent bewerten die Zeit für persönliche Betreuung mit 1 oder 2 von 10, während 43,8 Prozent die Bereitschaft zur Interaktion mit einem KI-Assistenten mit 10 von 10 bewerten. Zugleich halten 43,8 Prozent es für unverzichtbar, bei wichtigen Anliegen einen echten Menschen zu erreichen.

Session 3 | Legionellen & Trinkwasser — ein Befund ist selten der Anfang. Er ist meistens das Ende einer langen Geschichte.

Impulspräsentation: Andreas Vilgertshofer (Sachverständiger für Trinkwasserhygiene, SV-Vilgertshofer.de)
Diskussion: Andreas Vilgertshofer, Lucas Peter Ellmer + Publikum

Der Satz, mit dem Andreas Vilgertshofer seine Präsentation eröffnete, hat sich mir eingebrannt: „Ein Befund ist selten der Anfang. Er ist meistens das Ende einer langen Geschichte.“

Andreas Vilgertshofer hält beim Stadtgestalter Summit 2026 einen Vortrag zur Trinkwasserhygiene und zu Legionellen vor Publikum. Auf der Präsentationsfolie sind Gründe für einen erneuten Befund dargestellt.

Legionellen sind Bakterien, die natürlich im Wasser vorkommen — harmlos beim Trinken, weil der Magen sie neutralisiert. Gefährlich beim Einatmen, weil sie direkt in die Lunge gelangen. Übertragungsweg: feine Wassertröpfchen, Aerosole — also genau das, was beim Duschen entsteht. Folge: Legionärskrankheit oder Pontiac-Fieber. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucher, Immungeschwächte, Transplantierte, Chemo-Patienten, Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen.

Wann vermehren sie sich? Bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad. Bei Stagnation. Bei Leerstand. Bei fehlenden Spülplänen. Bei Biofilm in der Leitung. Das sind keine Seltenheiten — das ist der Alltag in vielen Gebäuden.

Was viele nicht wissen: Die Prüfpflicht ist gesetzlich geregelt — und nicht delegierbar. Jedes vermietete Mehrparteienhaus mit zentraler Warmwasseranlage muss alle drei Jahre beprobt werden. Öffentliche Gebäude jährlich. Die Verantwortung liegt beim Eigentümer. Der Verwalter haftet mit, wenn er Aufgaben vertraglich übernommen hat. „Ich wusste es nicht“ gilt vor Gericht nicht — wer es hätte wissen müssen und nicht handelt, ist zivilrechtlich haftbar. Bei nachgewiesener Erkrankung: strafrechtlich.

Was passiert nach einem positiven Befund? Ein klarer Kreislauf aus sechs Schritten: Sofortmaßnahmen — Ursachenanalyse — Ursachenbekämpfung — Organisation — Nachuntersuchung. Allein die verkürzten Nachuntersuchungsintervalle kosten rund 2.000 Euro pro Prüfung. Dazu kommen Sanierungskosten, mögliche Schadensersatzansprüche, Reputationsschäden.

Die Diskussion danach war nüchtern — und wichtig. Es wurde klar, wie viel Unwissenheit in diesem Bereich herrscht, selbst bei Menschen, die seit Jahren mit Immobilien arbeiten. Andreas‘ Botschaft war eindeutig: Proaktiv handeln. Beauftragen, bevor ein Problem entsteht. Dokumentieren. Und mit einem Sachverständigen arbeiten, der wirklich Ahnung hat — nicht mit jemandem, der einfach nur die günstigste Beprobung anbietet.

Session 4 | Sanierung, GEG & Förderungen — wer im Notfall entscheidet, entscheidet falsch

Impulspräsentation: Dr. Günther Westner & Daniel Keller (Geschäftsführer, Energie-Spezialisten.de)
Diskussion: Dr. Günther Westner, Daniel Keller, Marius May, Lucas Peter Ellmer + Publikum

Das Gebäudeenergiegesetz — GEG — hat die Immobilienwelt in Aufruhr versetzt. Ständige Änderungen, komplexe Ausnahmen, Übergangsfristen. Viele Eigentümer und WEGs sind schlicht überfordert. Dr. Günther Westner und Daniel Keller von den Energie-Spezialisten — beide Geschäftsführer, beide mit tiefer fachlicher Expertise in energetischer Sanierung, GEG-Beratung und Fördermittelmanagement — legten offen, was das wirklich bedeutet.

Eine wichtige Klarstellung vorab: Das GEG wurde zuletzt überarbeitet. Die starre 65-Prozent-Anforderung an neue Heizungen ist weggefallen. Fossile Heizungen bleiben grundsätzlich zulässig. Stattdessen gilt die sogenannte Bio-Treppe: stufenweise steigende Anforderungen an erneuerbare Energien — 10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035, 60 % ab 2040. Für Vermieter relevant: Wer eine fossile Neuheizung einbaut, trägt 50 % der CO₂-Kosten, Aufschläge für Biogase und Gasnetzentgelte.

Das Kernproblem: WEGs haben strukturell einen massiven Sanierungsstau. Der energetische Zustand von WEGs liegt deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Die Gründe sind bekannt — komplexe Abstimmungsprozesse, unterschiedliche Eigentümerinteressen, hohe Kosten, technische Herausforderungen. Was viele nicht wissen: Förderprogramme wie BAFA, KfW und iSFP lassen erhebliche Summen abrufbar — aber ungenutzt, weil die Antragsstellung komplex ist, Fristen verpasst werden und Entscheidungen zu spät fallen.

Dr. Westner und Daniel Keller zeigten den Weg aus diesem Dilemma: der Sanierungsfahrplan. Eine strukturierte Erfassung des Ist-Zustands, ein digitales Gebäudemodell, die Identifikation und Bewertung sinnvoller Maßnahmen — von Dachdämmung über Fassade bis zum Heizungstausch. Alles aufeinander abgestimmt, mit den richtigen Förderungen kombiniert.

Marius May brachte die Verwalter-Perspektive ein: Entscheidungen in WEGs sind langsam. Mehrheitsbeschlüsse, unterschiedliche Interessen, fehlende Informationen — das kostet Zeit. Und Zeit ist bei Förderungen oft das knappe Gut. Wer im Notfall entscheidet, entscheidet ohne Spielraum. Wer früh plant, hat Auswahl — technisch und finanziell. Der Verwalter, der hier proaktiv berät, ist kein Kostenverursacher. Er ist Vermögensschutz.

Session 5 | Versicherungen — nicht günstiger oder teurer. Versicherbar oder nicht versicherbar.

Impulspräsentation: Kevin Klöber (Geschäftsführer, Klöber-Versicherungsmakler.de)
Diskussion: Kevin Klöber, Lucas Peter Ellmer + Publikum

Kevin Klöber führt in zweiter Generation einen der führenden Spezialmakler für die Immobilienwirtschaft. 25 Jahre Familienunternehmen. Sein Fokus: echte Beratung, persönliche Erreichbarkeit, digitale Prozesse. Und an diesem Tag brachte er Zahlen mit, die den Raum kurz verstummen ließen.

Kevin Klöber spricht beim Stadtgestalter Summit 2026 über Gebäudeversicherungen. Die Präsentationsfolie nennt unter anderem über 80 Prozent Prämienanstieg seit 2020 und rund 60 Prozent unterversicherte Gebäude.

Die harten Fakten: Prämienanstieg von über 80 % seit 2020. Rund 60 % aller Gebäude sind unterversichert. Klimaschäden verursachen inzwischen über 60 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland. Der Baukostenindex ist seit 2020 um über 40 % gestiegen — der Versicherungswert vieler Bestandsobjekte wurde seit Jahren nicht geprüft. Im Schadenfall trägt der Eigentümer den Rest.

Kevin’s Kernaussage verdient einen eigenen Absatz: „Nicht günstiger oder teurer — versicherbar oder nicht versicherbar.“ Das ist die neue Realität. Versicherer werden selektiver. Objekte mit schlechtem Wartungszustand, häufigen Schäden oder bestimmten Risikoprofilen werden abgelehnt — oder nur zu Konditionen angeboten, die wirtschaftlich nicht tragbar sind.

Wie kommt es dazu? Drei Systemfehler, die sich gegenseitig verstärken:

Autopilot-Modus: Versicherungen werden abgeschlossen — und dann vergessen. Keine regelmäßige Anpassung an die Baukostenentwicklung. Jährliche Prämienerhöhungen werden hingenommen, ohne Prüfung.

Zuständigkeitslücke: Wer ist verantwortlich — Verwalter, Beirat, Eigentümer? Die Versicherung liegt „irgendwo“, niemand fühlt sich wirklich verantwortlich. Die Kommunikation zwischen Verwalter und Makler fehlt oft komplett.

Komplexität: Policen mit 80+ Seiten Kleingedrucktem. Unzählige Klauseln, Ausschlüsse, Definitionen. Ohne Fachkenntnis kaum zu durchdringen.

Das Ergebnis: Verwaltungen und Eigentümer sitzen auf einem Pulverfass — ohne es zu wissen.

Aber es gibt einen Ausweg. Kevin zeigte konkret: Einsparungen von 20–40 % bei den Prämien sind realistisch — durch richtige Versicherungssummen, klare Zuständigkeiten und strukturierte Zusammenarbeit zwischen Verwalter, Makler und Eigentümer. Sanierung und Versicherung zusammenzudenken ist dabei der entscheidende Hebel: Wer saniert, verbessert seinen Risikostatus. Wer seinen Risikostatus verbessert, wird attraktiver für Versicherer — und zahlt weniger.

Die Diskussion war lebhaft. Schadensfälle aus der Praxis. Eigentümer, die im Ernstfall feststellten, dass ihre Deckung nicht ausreichte. Die Botschaft war klar: Wer als Verwalter hier aktiv berät, liefert echten Mehrwert — und unterscheidet sich fundamental von jemandem, der einfach nur Verträge weiterleitet.

Weiterführend: Wenn die Wohngebäudeversicherung kündigt: Leitfaden für Beirat und Eigentümer

Session 6 | Verkauf & Wertermittlung — der richtige Preis ist der, den jemand bereit ist zu zahlen

Impulspräsentation: Nils Harrenberger (Head of Sales, DeepImmo.com)
Diskussion: Nils Harrenberger, Markus Keim (Inhaber & Sachverständiger, Keim-Kollegen.de), Andreas Schwabe (Immobilienmakler, LPE Immobilien), Lucas Peter Ellmer + Publikum

Eine Zahl, die nachdenklich macht: 2018 würden 23 % aller Eigentümer ihren Makler wieder beauftragen. 2025 sind es noch 8 %.

Nils Harrenberger von DeepImmo spricht beim Stadtgestalter Summit 2026 über Immobilienverkauf. Die Folie zeigt, dass 2018 noch 23 Prozent der Eigentümer ihren Makler wieder beauftragt hätten, 2025 jedoch nur noch 8 Prozent.

Nils Harrenberger, Head of Sales bei DeepImmo — unter den Top 100 europäischen PropTechs — startete mit diesem Befund. Nicht um die Branche zu beschämen. Sondern um die Frage zu stellen: Wie kann das sein? Und was tun wir dagegen?

Der Kern des Problems: Emotionaler Verkaufspreis versus rationaler Marktpreis. Eigentümer haben eine emotionale Bindung an ihre Immobilie — und eine Vorstellung vom Wert, die oft mit dem übereinstimmt, was sie sich wünschen, nicht was der Markt zahlt. Das Ergebnis: Objekte werden zu hoch angeboten. Sie verbrennen am Markt. Interessenten springen ab. Am Ende kommt die Preissenkung — und die Immobilie wird als Problemfall wahrgenommen, der seinen Preis wohl nicht wert ist. Vertrauen ist weg. Zeit ist verloren.

Dabei gibt es klare Bewertungsverfahren: Sachwert, Vergleichswert, Ertragswert, Beleihungswert, Marktwert — jedes hat seinen Anwendungsfall. Und dann gibt es noch das Bauchgefühl. Das Problem ist, wenn das Bauchgefühl alle anderen Verfahren aussticht.

DeepImmo löst das mit datenbasierter Bewertung: Marktanalysen, Nachfrageprognosen, Vergleichsdaten — systematisch zusammengeführt, um den Preis zu finden, den der Markt tatsächlich trägt. Dazu kommt, was Steve Jobs einmal sagte: „You’ve got to start with the customer experience and work back toward the technology.“ Nicht das Tool steht im Mittelpunkt — der Eigentümer, der eine faire und fundierte Einschätzung braucht.

Die Podiumsdiskussion war eine der reichhaltigsten des Tages. Markus Keim als zertifizierter Sachverständiger (ISO/IEC 17024), der Gutachten erstellt, die vor Gericht standhalten — mit Verfahren, die keine emotionale Komponente kennen. Andreas Schwabe mit über zehn Jahren Markterfahrung und rund 200 vermittelten Objekten — der weiß, dass Vertrauen vor Verhandlung entsteht. Und Nils Harrenberger, der zeigt, was Daten leisten können, wenn man sie richtig einsetzt.

Was alle drei eint: Wer die Immobilie kennt, kann wirklich beraten. Wer die Eigentümer kennt, kann Vertrauen aufbauen, bevor jemand fragt. Das ist der Unterschied zwischen einem Verwalter und einem echten strategischen Partner.

Session 7 | People, Strategy, Execution, Cash

Impulspräsentation: Nico Reis (Senior Scale-Up Coach & Unternehmensberater, nicoreis.de   scaleup.de)
Diskussion: Nico Reis, Lucas Peter Ellmer + Publikum

Nico ist selbst Unternehmer, Investor, Aufsichtsrat — mit einem erfolgreichen Exit 2020. Sein Framework, das Scale-Up Modell, hat er aus den besten Managementbüchern und eigener Praxis destilliert. Die vier entscheidenden Fragen lauten:

  • People: Würde ich jeden in der Firma mit Enthusiasmus wieder einstellen?
  • Strategy: Kann jeder die Strategie in einem verständlichen Satz wiedergeben?
  • Execution: Laufen alle Prozesse ohne Drama?
  • Cash: Verfügen wir über ausreichend Cash, um unser Wachstum zu befeuern?

Was Nico besonders betonte: Was erfolgreiche Unternehmen von allen anderen unterscheidet, ist meist nicht der beste Salesprozess, nicht die einzigartigste Strategie, nicht die beste Technologie. Es ist meist ein Unternehmer mit einem großen Ziel. Manchmal braucht es einen Verrückten mit einem BHAG — einem Big, Hairy, Audacious Goal. Ein Ziel, das beflügelt. Das die Richtung vorgibt. Das die richtigen Menschen anzieht — weil sie daran glauben wollen.

In Deutschland schaffen es nur 9,4 % der Unternehmen über 1 Million Euro Umsatz. Nur 1,25 % über 10 Millionen. Das liegt selten an fehlendem Talent — es liegt an fehlenden Zielen, fehlender Struktur und den „Tälern des Todes“, die jedes wachsende Unternehmen durchschreiten muss.

Die Diskussion mit dem Publikum. Wie setzt man das Framework in einer kleinen Hausverwaltung um? Wie baut man Teams auf, die funktionieren, wenn man selbst überall gebraucht wird? Was sind die häufigsten Fehler beim Wachstum? Nico gab keine Standardantworten — er gab Handlungsempfehlungen aus echter Praxis.

Abschluss | Wie wir bei LPE damit umgehen — und warum diese Branche uns antreibt

Den Schlusspunkt des Tages habe ich selbst gesetzt, als Antwort auf alles, was wir den ganzen Tag besprochen haben.

KI und Digitalisierung: Wie nutzt man neue Technologien, ohne das Wesentliche zu verlieren?
Legionellen: Wie schützt man sich und seine Eigentümer, bevor das Problem entsteht?
Sanierung und GEG: Wie wird man zum Berater — statt nur zu verwalten?
Versicherungen: Wie stellt man sicher, dass Eigentümer wirklich geschützt sind?
Verkauf und Wertermittlung: Wie gibt man Eigentümern Mehrwert aus dem eigenen Wissen weiter?

Fünf Großbaustellen — gleichzeitig. Und überall dieselbe Reaktion: überfordert.

Meine Überzeugung: Das ist unsere Chance. Nicht die Chance, davon zu profitieren. Die Chance, wirklich zu führen. Eine Hausverwaltung, die in diesem Umfeld standhält, braucht vier Säulen: die richtigen Menschen (People), wirtschaftliche Klarheit (Cash), eine klare Identität und Richtung (Strategy) und konsequente Umsetzung (Execution).

Über Geld wird in unserer Branche zu wenig gesprochen — ich spreche darüber. Profitabilität ist kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung für alles andere. Nur ein profitables Unternehmen kann seinen Mitarbeitern, Kunden und der Gesellschaft wirklich dienen. Wer mit Köder-Pricing unterbietet, überlastet sein Team, senkt die Qualität, verliert Kunden — und beginnt die Abwärtsspirale von vorn. Wir spielen dieses Spiel nicht mit.

Wir wissen, wer wir sind. Wir wissen, wohin wir gehen. Und wir machen den Beruf des Hausverwalters wieder attraktiv — weil wir glauben, dass er das verdient hat.

Dachterrasse, Bierfass und die Gespräche danach

Nach einem intensiven Tag voller Klartext und Erkenntnisse ging es auf die Dachterrasse der Design Offices — Blick auf die Skyline Münchens, bayerische Schmankerl, Bier vom Fass.

Andreas Schwabe stieß das Fass mit drei Schlägen an. O’zapft is.

Ausklang des Stadtgestalter Summit 2026 mit Bierfassanstich auf einer Dachterrasse in München.

Und dann das Schönste: Die Gespräche hörten einfach nicht auf. Eigentümer sprachen mit Speakern. Ideen wurden weitergesponnen.

Bis zum Stadtgestalter Summit 2027

Der erste Stadtgestalter Summit ist Geschichte. Und gleichzeitig Ausgangspunkt.

Wir haben gezeigt, dass diese Branche ein Format braucht, das Klartext spricht. Das die richtigen Menschen zusammenbringt. Das nicht beschönigt — sondern gestaltet. Das ist uns gelungen. Nicht perfekt. Aber mit vollem Einsatz und dem Willen, es jedes Jahr besser zu machen.

Der Stadtgestalter Summit 2027 kommt. Größer. Noch intensiver. Mit noch mehr Menschen, die wirklich etwas bewegen wollen.

Danke an alle 13 Speaker für ihren Mut, offen zu sprechen. Danke an alle 60 Gäste, die nicht nur zugehört haben — sondern mitgedacht, mitdiskutiert und mitgestaltet haben.

Genau dafür ist der Stadtgestalter Summit da.

Bis 2027!

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CEO, Gründer & Inhaber der LPE Immobilien Management GmbH, München

Über den Autor:

Lucas Peter Ellmer

Ausgebildeter Schreinergeselle, IHK-zertifizierter Verwalter sowie B.Sc. & M.Sc. der Betriebswirtschaftslehre. Als Gründer und Geschäftsführer der LPE Immobilien Management GmbH in München verantwortet er die kaufmännische Steuerung, Prozessdigitalisierung und KPI-basiertes Reporting – mit klarer Umsetzung im operativen Tagesgeschäft. Im Ratgeber verbindet er Handwerkspraxis und betriebswirtschaftliche Expertise und schreibt über WEG-/Mietverwaltung, Sanierungen im Bestand und transparente Steuerung für Eigentümer und Beiräte.

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