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Vermächtnis bei Immobilien: Unterschied zum Erbe einfach erklärt

Verfasst von
Andreas Schwabe
Immobilienmakler - LPE Immobilien Management GmbH, München

Inhalt

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Erbe bekommt alles auf einen Schlag – die Immobilie, das Konto, aber auch sämtliche Schulden.
  • Ein Vermächtnisnehmer bekommt nur einen bestimmten Gegenstand (z. B. die Wohnung) – und wird damit nicht automatisch Eigentümer.
  • Beim Vermächtnis haben Sie nur einen Anspruch gegen die Erben: Die müssen die Immobilie erst auf Sie übertragen.
  • Der große Vorteil des Vermächtnisses: keine Haftung für Nachlassschulden, keine Zwangs-Erbengemeinschaft.
  • Steuerlich bringt das Vermächtnis nichts extra – es gelten dieselben Freibeträge wie beim Erbe.

„Das Haus vermache ich meiner Tochter.“ Dieser Satz steht in unzähligen Testamenten – und bedeutet juristisch fast immer etwas anderes, als die Familie denkt. Wer eine Immobilie vermacht bekommt, ist nämlich nicht automatisch Erbe und wird mit dem Todesfall nicht einmal Eigentümer. Genau an diesem Missverständnis entzünden sich später Streit, Verzögerungen im Grundbuch und im schlimmsten Fall der Verlust des zugedachten Hauses.

Kurz gesagt: Ein Vermächtnis bei einer Immobilie verschafft Ihnen nur einen Anspruch gegen die Erben auf Übertragung – kein sofortiges Eigentum. Der Erbe dagegen übernimmt alles auf einmal, inklusive Schulden. In diesem Ratgeber erklären wir beide Begriffe von Grund auf, zeigen den Unterschied an konkreten Beispielen und warum das Vermächtnis bei Immobilien oft das elegantere Werkzeug ist. Eines vorweg, weil es so wichtig ist: Erbe und Vermächtnis sind keine zwei Wörter für dieselbe Sache.

Was ist ein Erbe? Einfach erklärt

Ein Erbe rückt rechtlich komplett an die Stelle des Verstorbenen und bekommt dessen gesamtes Vermögen auf einen Schlag – Juristen nennen das Gesamtrechtsnachfolge (§ 1922 BGB). Das heißt: Der Erbe übernimmt alles auf einmal. Das Haus, das Bankkonto, das Auto – aber eben auch den laufenden Kredit, die offene Handwerkerrechnung, die Nachzahlung aus der Nebenkostenabrechnung und alle Pflichten aus bestehenden Mietverhältnissen.

Bei einer Immobilie heißt das konkret: Der Erbe wird schon mit dem Todesfall Eigentümer, auch wenn im Grundbuch noch der Verstorbene steht. Das Grundbuch wird nur noch berichtigt – und wer den Antrag innerhalb von zwei Jahren nach dem Erbfall stellt, zahlt dafür keine Gerichtsgebühren (Nr. 14110 KV GNotKG).

Die Kehrseite: Der Erbe haftet grundsätzlich auch mit seinem Privatvermögen für die Schulden des Verstorbenen – es sei denn, er schlägt die Erbschaft aus oder beschränkt die Haftung rechtzeitig.

Und es gibt eine Falle, die viele unterschätzen: Erben mehrere Personen gemeinsam, entsteht automatisch eine Erbengemeinschaft – die wohl konfliktträchtigste Eigentümerform, die das deutsche Recht kennt. Niemand kann allein über die Immobilie entscheiden; jede Vermietung, jede Sanierung, jeder Verkauf braucht Einigkeit. In der Verwaltungspraxis erleben wir regelmäßig, wie das Immobilien über Jahre lähmt: Instandhaltung bleibt liegen, eine Mieterhöhung scheitert am Veto eines Miterben, am Ende steht oft die Teilungsversteigerung weit unter Marktwert. Wer das vermeiden will, befasst sich besser früh mit der geordneten Vererbung seiner Immobilie.

Was ist ein Vermächtnis? Der Anspruch auf eine bestimmte Sache

Ein Vermächtnis ist die Zuwendung eines einzelnen Vermögensvorteils, ohne den Begünstigten zum Erben zu machen (§§ 1939, 2147 ff. BGB). Der Erblasser wendet einer Person gezielt etwas zu – zum Beispiel eine bestimmte Eigentumswohnung, ein Grundstück, einen Geldbetrag oder ein lebenslanges Wohnrecht.

Der entscheidende Punkt: Als Vermächtnisnehmer werden Sie mit dem Todesfall nicht automatisch Eigentümer. Sie bekommen nur einen Anspruch gegen die Erben – im Grunde einen Gutschein, den die Erben einlösen müssen (Juristen sprechen von einem schuldrechtlichen Anspruch). Bei einer Immobilie heißt das: Die Erben müssen Ihnen das Objekt erst beim Notar offiziell übertragen – die sogenannte Auflassung –, und Eigentümer werden Sie erst mit dem Eintrag im Grundbuch.

Das klingt nach einem Nachteil, ist in der Praxis aber häufig ein Vorteil – dazu gleich mehr. Eine Ausnahme sollten Sie kennen: Im Grundbuch eingetragene Lasten wie eine Grundschuld oder Hypothek – vereinfacht: ein Kreditpfand auf der Immobilie – bleiben an der Immobilie haften, egal wer sie bekommt. Ist die Wohnung mit einer Hypothek belastet, vermutet das Gesetz im Zweifel sogar, dass Sie als Vermächtnisnehmer die dahinterstehende Schuld tragen sollen – allerdings höchstens bis zum Wert der Immobilie (§ 2166 BGB). Wer was zahlt, kann der Erblasser im Testament aber ausdrücklich anders regeln.

Praxistipp: Wird eine belastete Immobilie vermacht, sollte das Testament eindeutig festhalten, wer die Finanzierung weiterführt – sonst ist Streit zwischen Erben und Vermächtnisnehmer programmiert.

Warum unterscheidet das Gesetz überhaupt zwischen Erbe und Vermächtnis?

Weil beide für völlig unterschiedliche Ziele gemacht sind. Das Erbe regelt, wer das Vermögen als Ganzes übernimmt – mit allen Rechten und Pflichten. Das Vermächtnis ist dagegen das Skalpell für den Sonderwunsch: Damit kann der Erblasser einer einzelnen Person gezielt einen einzelnen Gegenstand zukommen lassen, ohne sie gleich zum Erben mit Schulden und Erbengemeinschaft zu machen.

Beispiel: Ein Vater setzt seine beiden Kinder als Erben ein, möchte aber, dass seine langjährige Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung bleiben darf. Macht er sie zur Miterbin, sitzt sie mit den Kindern in einer Erbengemeinschaft und haftet für Nachlassschulden. Wendet er ihr stattdessen per Vermächtnis ein Wohnrecht zu, bekommt sie genau das – und nichts Belastendes. Für solche Fälle ist das Vermächtnis gemacht.

Erbe und Vermächtnis im direkten Vergleich

Der wichtigste Unterschied in einem Satz: Der Erbe bekommt alles und haftet für alles, der Vermächtnisnehmer bekommt gezielt eine Sache und muss deren Übertragung einfordern. Die Details:

Erbe Vermächtnisnehmer
Rechtsstellung Tritt komplett an die Stelle des Verstorbenen Hat nur einen Anspruch gegen die Erben
Eigentum an der Immobilie Automatisch mit dem Todesfall Erst nach notarieller Übertragung und Grundbucheintrag
Haftung für Schulden Ja, grundsätzlich auch mit Privatvermögen Nein (Ausnahme: eingetragene Lasten wie Grundschulden bleiben am Objekt)
Erbengemeinschaft Bei mehreren Erben zwingend Nein – der Vermächtnisnehmer steht außerhalb
Ablehnen / Ausschlagen Nur binnen 6 Wochen, formgebunden beim Nachlassgericht Jederzeit, formlos gegenüber den Erben
Wie entsteht es? Gesetzliche Erbfolge oder Testament/Erbvertrag Nur durch Testament oder Erbvertrag
Erbschaftsteuer Ja, mit persönlichem Freibetrag Ja, mit denselben Freibeträgen

Wann ist das Vermächtnis bei Immobilien das bessere Werkzeug?

Das Vermächtnis spielt seine Stärken immer dann aus, wenn eine bestimmte Immobilie sicher bei einer bestimmten Person landen soll. Vier typische Situationen:

Eine bestimmte Immobilie soll sicher an eine bestimmte Person. Wer im Testament nur Quoten verteilt („meine Kinder erben zu gleichen Teilen“), überlässt es der Erbengemeinschaft, wer am Ende welches Objekt bekommt – mit allem Streitpotenzial. Ein Vermächtnis schafft Klarheit: Die Stadtwohnung geht an die Tochter, das Ferienhaus an den Sohn, ganz ohne Verhandlung.

Jemand außerhalb der Familie soll bedacht werden – ohne Risiko für ihn. Der langjährige Lebensgefährte, das Patenkind, die pflegende Nachbarin: Ein Vermächtnis verschafft ihnen die zugedachte Immobilie oder ein Wohnrecht, ohne sie in die Haftung für Nachlassschulden oder in eine Erbengemeinschaft mit der Verwandtschaft zu zwingen.

Der Partner soll im Haus abgesichert werden – Wohnrecht oder Nießbrauch. Ein Klassiker der Nachlassplanung: Die Kinder erben das Haus, der überlebende Partner erhält per Vermächtnis ein lebenslanges Wohnrecht oder den Nießbrauch – also auch die Mieteinnahmen, falls er auszieht und vermietet. So bleibt das Eigentum in der nächsten Generation, ohne dass der Partner sein Zuhause verliert. Wer eine geerbte Wohnung vermietet, sollte dabei die steuerlichen Vorteile für Vermieter kennen.

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Ein einzelnes Kind soll bevorzugt werden – das Vorausvermächtnis. Auch ein Erbe selbst kann zusätzlich ein Vermächtnis erhalten (§ 2150 BGB). Beispiel: Beide Kinder erben je zur Hälfte, aber die Tochter, die das Elternhaus bewohnt, bekommt es vorab als Vorausvermächtnis – ohne dass sich ihr Erbteil dadurch verringert.

Die Stolperfallen, die Sie kennen sollten

Missverständliche Formulierungen im Testament. Das Gesetz hilft mit einer Auslegungsregel: Wer im Testament nur einzelne Gegenstände zuwendet, ordnet im Zweifel ein Vermächtnis an – auch wenn dort das Wort „erben“ steht (§ 2087 BGB). Umgekehrt kann die Zuwendung der Immobilie als Erbeinsetzung gelten, wenn sie praktisch das ganze Vermögen ausmacht. Diese Unschärfe ist eine der häufigsten Ursachen für jahrelange Streitereien vor dem Nachlassgericht. Wer eine Immobilie gezielt zuwenden will, sollte das Testament eindeutig formulieren – idealerweise mit notarieller Beratung.

Den Anspruch müssen Sie aktiv einfordern. Da Sie als Vermächtnisnehmer nicht automatisch Eigentümer werden, sind Sie auf die Mitwirkung der Erben angewiesen. Verweigern diese die Übertragung, bleibt nur die Klage. Immerhin: Der Anspruch auf Übertragung eines Grundstücks verjährt erst nach zehn Jahren (§ 196 BGB). Trotzdem gilt: zeitnah einfordern und notariell umsetzen lassen – denn bis zum Grundbucheintrag könnten die Erben über das Objekt verfügen und im Zweifel die Erträge ziehen.

Ein Vermächtnis schlägt den Pflichtteil nicht aus. Ein enterbter naher Angehöriger, der „nur“ ein Vermächtnis erhält, kann dieses sogar ausschlagen und stattdessen seinen vollen Pflichtteil in Geld verlangen (§ 2307 BGB). Wer mit Vermächtnissen plant, muss die Pflichtteilsansprüche immer mitrechnen – sonst geht die Rechnung am Ende nicht auf.

Steuerlich macht es kaum einen Unterschied. Erbe und Vermächtnis sind beides ein „Erwerb von Todes wegen“, für den dieselben persönlichen Freibeträge gelten: 500.000 € für Ehegatten, 400.000 € pro Kind, 200.000 € für Enkel – aber nur 20.000 € für nicht verwandte Personen wie den unverheirateten Lebensgefährten. Gerade bei Immobilien in gefragten Lagen ist dieser kleine Freibetrag schnell überschritten. Wie viel überhaupt im Raum steht, hängt vom Verkehrswert ab – eine fundierte Wertermittlung der Immobilie ist deshalb der erste Schritt jeder Nachlassplanung. Für den Haupterben hat das Vermächtnis übrigens einen angenehmen Nebeneffekt: Es mindert als Nachlassverbindlichkeit seinen eigenen steuerpflichtigen Erwerb.

Ergänzend hierzu: Wer die Immobilie schon zu Lebzeiten weitergeben will, findet die Abwägung im Ratgeber Immobilie verschenken oder vererben? – und wer ein geerbtes Objekt später verkaufen möchte, sollte die Spekulationsfrist bei Immobilien im Blick behalten.

Häufige Fragen zum Vermächtnis bei Immobilien

Wird man durch ein Vermächtnis automatisch Eigentümer der Immobilie?

Nein. Ein Vermächtnis verschafft nur einen Anspruch gegen die Erben auf Übertragung. Eigentümer der Immobilie wird der Vermächtnisnehmer erst, wenn die Erben sie notariell übertragen (Auflassung) und die Eintragung im Grundbuch erfolgt ist.

Was ist der Unterschied zwischen Erbe und Vermächtnis?

Der Erbe tritt automatisch in alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen ein – inklusive Schulden – und wird sofort Eigentümer. Der Vermächtnisnehmer erhält nur einen einzelnen, im Testament bestimmten Vorteil und muss dessen Übertragung von den Erben verlangen.

Haftet ein Vermächtnisnehmer für die Schulden des Nachlasses?

Grundsätzlich nicht. Der Vermächtnisnehmer haftet nicht mit seinem Privatvermögen für Nachlassschulden. Eine Ausnahme bilden dinglich gesicherte Lasten: Eine im Grundbuch eingetragene Grundschuld oder Hypothek bleibt an der vermachten Immobilie haften.

Spart ein Vermächtnis Erbschaftsteuer?

Nein. Für ein Vermächtnis gelten dieselben persönlichen Freibeträge wie für ein Erbe, weil beides ein Erwerb von Todes wegen ist. Der steuerliche Unterschied liegt nur darin, dass das Vermächtnis als Nachlassverbindlichkeit den steuerpflichtigen Erwerb des Erben mindert.

Kann ich per Vermächtnis meinen Partner im Haus absichern, obwohl die Kinder erben?

Ja. Ein gängiges Modell ist, die Kinder als Erben einzusetzen und dem überlebenden Partner per Vermächtnis ein lebenslanges Wohnrecht oder den Nießbrauch zuzuwenden. So bleibt das Eigentum in der Familie, während der Partner wohnen bleiben oder die Mieteinnahmen behalten kann.

Fazit

Erbe und Vermächtnis sind keine Synonyme, sondern zwei grundverschiedene Wege, Vermögen weiterzugeben. Der Erbe übernimmt alles – Eigentum sofort, Schulden inklusive, bei mehreren Erben im Paket mit einer Erbengemeinschaft. Der Vermächtnisnehmer erhält gezielt einen einzelnen Vorteil, muss dessen Übertragung aber aktiv einfordern und wird bei Immobilien erst mit dem Grundbucheintrag Eigentümer. Für die Nachlassplanung mit Immobilien ist das Vermächtnis ein präzises Werkzeug: Es verhindert Verteilungsstreit, sichert Partner über Wohnrecht und Nießbrauch ab und schützt Begünstigte vor der Haftung. Voraussetzung ist ein eindeutig formuliertes Testament – denn die teuersten Erbstreitigkeiten beginnen fast immer mit einem missverständlichen Satz.

Als Münchner Hausverwaltung mit über 4.000 betreuten Wohneinheiten erleben wir täglich, wie sehr eine geordnete Eigentümerstruktur den Wert einer Immobilie schützt – und wie teuer eine zerstrittene Erbengemeinschaft wird. Wenn Sie eine geerbte oder zu vererbende Immobilie strukturieren oder bewerten lassen möchten, unterstützen wir Sie bei der Wertermittlung in München und der weiteren Planung.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Für die Gestaltung von Testamenten und Vermächtnissen empfehlen wir die Beratung durch einen Notar oder Fachanwalt für Erbrecht. Rechtsgrundlagen u. a.: §§ 1922, 1939, 2087, 2147 ff., 2150, 2166, 2307, 196 BGB; § 16 ErbStG; Nr. 14110 KV GNotKG.

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Immobilienmakler - LPE Immobilien Management GmbH, München

Über den Autor:

Andreas Schwabe

Andreas Schwabe ist Immobilienmakler bei LPE Immobilien in München. Mit über zehn Jahren Erfahrung und rund 200 erfolgreich begleiteten Verkäufen vermittelt er Wohn- und Anlageimmobilien in München und Umland – mit präziser Wertermittlung, klarer Verkaufsstrategie und zielgenauer Käuferansprache.

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